Die gegenteilige Zusammenstellung wir-sie bezeugt vielleicht am besten das ethnische Bewußtsein. Den Unterschied zwischen dem Volks- und dem Stammesbewußtsein bildet gar deutlich der erscheinende Begriff eines vom Volke beherrschten Siedlungsraumes – des Landes, was dem Stamme nicht kennzeichnend ist. Solchen Begriff erwarb ein Herrscher (der gestrige Stammanführer) des entstehenden Staates und seine nächste Umgebung, welche aus der Kriegsgefolge sich bildete. Das war ein Raum, in welchem diese Schicht ihre Macht ausübte und welcher ihr die Lebensmittel leistete. Die Treue dem Herrscher sicherte eine Angehörigkeit zu diesem Kreise, der Waffendienst – einen Beweis dieser Treue. Die Staatsbildung und – entwicklung bedeutete die Ausdehnung des Pflichten- und Abgabensystems, das Emporsteigen des Burgennetzes, die Einsiedelung der Vogte und ihrer Dienerschaft in diesen Burgen. Diese waltende Oberschicht und den Kriegdienst ausübende Unterschicht hatte das ganze Land umfassende Gesichtskreis. Den Herrscher (einen König, später – einen Großfürsten) schauten sie als eine Verkörperung ihres Daseins und Wohlstandes an. Die Treue dem Großfürsten oder der herrschenden Dynastie galt als lobenswerte und erhabene Benehmen. Für diese Treue konnte man eine Belohnung erwarten.
Der Großfürst und sein nächster Umkreis äußerte sich in derselben Sprache, übte dieselben Sitten aus, seine Macht und Pracht ruhte sich auf derselben Weltanschauung auf die Dinge und die Taten. Ihr Land war dasselbe Litauen und sie waren Litauer. Litauen war aber nicht der Siedlungsplatz der litauischen Stämme (als solches blieb es nur für die arbeitende Bauernmehrheit): das war ein Gebiet, wo das Gebot des litauischen Herrschers galt. Das war eine politische Weltanschauung, gibt es aber ein unpolitisches Nationalbewußtsein? Die Frühe Monarchie war ein Gauebund, wo den Kriegsdienst leistende Mannschaft mit ihrer Gauburg verknüpft worden war und über diese Gaue die Hauptburg des Herrschers sich erhöhte. Es fehlte in der litauischen Machtsschicht ein wichtiger Bestandteil – die Geistlichkeit (oratores). Littauen der 13.-14. Jahrhunderte besaß nur ein Keimstädtepaar. Also bestand das damalige litauische Volkstum nur aus den Bauern (rustici-laboratores) und den Kriegern (equites-bellatores). Nur die letzten besaßen einen Nationalbewußtsein. Es fehlte diesem Bewußtsein ein Bestandteil der christlichen Gesinnung (homines christiani, christifideles).

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