LIE. atpetúoti, R. néтать
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Vincas Urbutis
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Published 2026-01-28
https://doi.org/10.15388/baltistica.18.1.1535
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Keywords

etimologija
lietuvių
rusų
atpetuoti

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Urbutis, V. (tran.) (2026) “LIE. atpetúoti, R. néтать”, Baltistica, 18(1), p. 47—57. doi:10.15388/baltistica.18.1.1535.

Abstract

Lit. atpetúoti „entgelten, erstatten; durch Arbeit bezahlen, (sich) abarbeiten, leiden; (sich) rächen“ ist jetzt nur in einigen Mundarten um Raséiniai bekannt. Die schriftlichen Quellen des 18. und 19. Jahrhunderts zeigen, daß östliche Aukštaičiai (Hochlitauer) um Bìržai noch nicht lan­ge her atpėtuoti „entgelten“ (mit -ė-) hatten. M. Daukša verwendete atpetuoti in der Bedeutung „(sich) rächen“, S. Chilinskis — in der Bedeutung „vergelten (bezahlen)“. Die älteste schriftli­che Quelle dieses Wortes in Preußisch Litauen ist das sogenannte handschriftliche deutsch-litaui­sche Wörterbuch von Krause (Mitte des 17. Jhs), wo atpetuoti „entgelten“ (im Original Atpettoti, also mit -e- in der Wurzel) gegeben sind.

Lit. atpetúoti hängt etymologisch zusammen mit lat. petō, -ere „zu erreichen suchen, streben; fordern, verlangen; losgehen, anfallen“ und anderen Vertretern der Wurzel *pet- „fliegen; fallen, auf etwas losstürzen“. Außer atpetúoti (und der parallel mit dem Ablaut gebildeten Variante atpėtuoti) ist noch ein anderes sekundäres Verb — nupetė́ti „verfallen, abmagern" aus einer südlichen Mundart (Pelesà) bekannt. Ebenso selten kommt vor auch das nasalinfigierende Verb pripèsti (-peñta, -pẽto) „sich erschöpfen, abmatten“ (Panemunė̃lis). Die Bedeutungen aller genannten Ver­ben können leicht entweder gerade oder durch mittelbare Bedeutungen von der primären Bedeu­tung „fallen“ abgeleitet werden. Dasselbe kann man über das verwandte lett. pẽtît „Verlangen wo­nach haben, Appetit haben; (nach)fragen, (aus)forschen; bitten“ (Reil.-tiês „ausfragen; trachten, streben“) sagen. Von dem Grundverb, das noch die alte Bedeutung „fallen“ hatte, sind wohl auch die litauischen Flußnamen Petà (Пета aus dem 16. Jh.) und Petešà abzuleiten.

Es gibt keine unanfechtbaren Beweise, daß russ. dial. пéтать „schlagen, prügeln; quälen, ermüden, beunruhigen“, петиться „sich schlagen, schmachten, sich bemühen; streben“, br. dial. пéт(ав)аць „schlagen, prügeln“, пе́тавацца „schwer arbeiten, etwas mit großer Anstren­gung tun, sich quälen; Not leiden, in Armut sein“ und andere ähnliche ostslawische Wörter Baltis­men (Substratwörter) sind. Das rekonstruierte sl. *pětati „(mehrfach, wiederholt) schlagen“ (für -ě- spricht omnie͡myвать im östlichen Polessje) kann man für eine iterative Ableitung von dem spä­ter verschwundenen Primärverb *pesti (= lit. pèsti) halten.

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