Nichtlexikographische Quellen des Wörterbuchs von Jacob Brodowski
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Lina Plaušinaitytė
Published 2008-01-01
https://doi.org/10.15388/Klbt.2008.7611
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Plaušinaitytė L. (2008) “Nichtlexikographische Quellen des Wörterbuchs von Jacob Brodowski”, Kalbotyra, 590, pp. 231-241. doi: 10.15388/Klbt.2008.7611.

Abstract

Wörterbücher kann man als Texte bezeichnen, zu deren wichtigsten Merkmalen der hohe Abhängigkeitsgrad von anderen Texten zählt. Kaum ein Wörterbuchtext ist je allein aus dem schöpferischen Geist seines Verfassers entstanden. Vielmehr war es Ergebnis einer auf Quellen basierenden Sammel- und Sortierarbeit des Wörterbuchverfassers. Exemplarisch könnte man diesen Gedanken bereits an den ältesten lateinisch-deutschen Glossaren vorführen, die als Wörterverzeichnisse zu bestimmten Texten entstanden sind. Spätere Wörterbücher standen ebenfalls in einer Abhängigkeitsbeziehung, aber nicht mehr ausschließlich zu den Quellentexten, sondern zu anderen Wörterbüchern, die als Quellen benutzt bzw. einfach abgeschrieben (oder abgedruckt) wurden. Für die Beschreibung einer solchen lexikographischen Praxis hat man in der Forschung die Bezeichnung der Wörterbücher-aus-Wörterbüchern-Methode geprägt (Wiegand 1998, 647, 649). Da die Angabe der lexikographischen und anderen Quellen, die einem Wörterbuch zugrunde gelegt wurden, erst in der jüngeren Neuzeit zur Norm geworden ist, gehört die Erforschung der Wörterbuchquellen und gegenseitiger Abhängigkeitsbeziehungen bei älteren historischen Wörterbüchern zu den primären Untersuchungsaufgaben, die die Grundlagen für weitere Untersuchung des Wörterbuchmaterials bilden. 

Diese Aufgaben stellen sich auch für die deutsch-litauische historische Lexikographie, denn die seit dem 17. Jahrhundert überlieferten Wörterbücher mit deutscher und litauischer Sprache stehen sowohl hinsichtlich der wechselseitigen Verwandtschaftsbeziehungen als auch der fehlenden Quellenangaben in der europäischen Wörterbuchtradition. Sämtliche in Ostpreußen entstandenen bis heute überlieferten handschriftlichen deutsch-litauischen Wörterbücher sind miteinander verwandt.2 Keines dieser Wörterbücher enthält explizite Hinweise auf die Quellen, was ihre Feststellung zwar zu einer schwierigen und zeitaufwendigen, aber zugleich auch spannenden Aufgabe macht.

Aus diesem Grund widmet sich der vorliegende Beitrag der Untersuchung der Quellen des größten überlieferten handschriftlichen deutsch-litauischen Wörterbuchs des 18. Jahrhunderts, des Lexicon Germanico-Lithvanicum von Jacob Brodowski3. Allerdings wird nicht das gesamte Spektrum der Quellen behandelt, sondern nur ein Ausschnitt davon: die nichtlexikographischen Quellen. Es gilt zu beschreiben, wie diese Quellen bei der Erarbeitung des Wörterbuchs eingesetzt wurden und in welcher Art und Weise sie den Charakter des Wörterbuchs beeinflusst haben.

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